Mein alter Deutschlehrer auf dem Gymnasium erzählte uns in der sechsten Klasse eine Geschichte über den Ersten Weltkrieg, an dem er teilgenommen hatte. Er erzählte uns eine Geschichte, als die Russen in deutsch besiedelte Gebiete einmarschierten und dabei plünderten und “konfiszierten”. Die Bewohner des Dorfes, das mein Lehrer bewachen sollte, staunten nicht schlecht, als die Russen auf einmal in allen Häusern mit Hämmern die Wasserhähne von den Wänden schlugen. Sie hatten anfangs kein Interesse an Gold, Schmuck oder Bargeld, sie vergewaltigten auch nicht die Frauen, sie schlugen lediglich die Wasserhähne von den Wänden und packten sie sorgfältig und behutsam ein.
Niemand wusste, was das sollte aber man war froh dass man verschont oder “weniger brutal” misshandelt wurde.
Als er dann einige Wochen später im Kriegsgefangenenlager zum Kommandanten ins Büro gerufen wurde, bat ihn der Kommandant den Wasserhahn zu montieren, da mein Lehrer Klempner gewesen war. Er wollte ihm den Gefallen gerne tun, fand aber die Wasserleitungen nicht. Als er den Kommandanten nach der Wasserleitung fragte, wurde dieser zornig, denn er dachte, mein Lehrer wolle ihm den Gefallen nicht tun. Der Kommandant dachte, ähnlich wie die Ureinwohner Angst vor dem “Zauber” Fotoapparat und Blitzlicht hatten, dass man nur einen Wasserhahn in die Wand schlagen müsse und schon käme wie aus Geisterhand das edle Nass aus der Wand.
So oder so ähnlich muss es Seo heute ergangen sein. Nach dem Theater der letzten Tage war heute Hausputz angesagt. Da Seo, der kleine Voyeur, mich schon seit Mittwoch beim Duschen beobachtet hatte, wollte er heute der Sache auf den Grund gehen und sich mit dem Wasserhahn anfreunden.
Da dieser aber nur unregelmäßige kleine Tropfen von sich gab, versuchte Seo einige dieser lustige glitzernden Teile zu erwischen - mit mäßigem Erfolg.Jeder dritte Tropfen patschte Seo auf Kopf, Nase und Ohren. Bei jedem Treffer hopste er mit einer Art Flugrolle quer durch die Wanne, um dem bösen Wasser zu entfliehen. Ich hatte es meinem mutigen Krieger schon hoch angerechnet, dass er sich Auge in Auge in die Höhle des Löwen wagte, aber jetzt wollte es wissen und holte zum finalen Gegenschlag aus. Mit 6 oder 7 gezielten Schlägen gegen die Armatur versuchte er, meinen Wasserhahn unschädlich zu machen und schaffte dies auch lustigerweise mit einem “Hau den Lukas” Schlag auf meinen Einhebelmischer. Damit war das schonmal geklärt und er machte eine kleine Verschnaufpause und trank ein paar Tropfen aus der Pfütze, die sich in der Wanne gebildet hatte.
Seo wäre kein Kater, wenn er nicht auch neugierig wäre. Natürlich wollte er wissen, was mit diesem teuflischen Zauberelixier, was natürlich auch neben seinem Fressnapf steht, aber nicht ganz so spannend ist wie der Tropfen aus dem Wasserhahn, geschieht, wenn er es wieder auf die Mütze bekommt und es anschließend an ihm vorbei fließt.
Also versuchte er mit seinen flauschigen und extrem süßen Tatzen das Abflusssieb aus meiner Wanne zu schrauben, was ihm glücklicherweise nicht gelang. Trotzdem beobachtete er das Spielchen zumindest solange, bis ich mich anderen Aufgaben widmete, denn an die Wanne konnte ich ja nun nicht dran. Müßig zu erwähnen, da Seo mich nicht nur bei der Wanne sondern in der gesamten Wohnung “sabotiert” hat und mein Hausputz statt der veranschlagten zwei Stunden sich auf sechs Stunden ausgedehnt hat, da auch ich die Finger nicht von Seo lassen konnte, dem süßesten Kater in diesem Universum. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung und wünsche einen schönen Sonntag!
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